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Paul Rudolph

Paul Rudolph

The Florida Houses

Paul Rudolph zählt zu den herausragenden Architekten der amerikanischen Moderne, der vor allem durch seine dem Brutalismus und später der Post-Moderne verpflichtete Werke international auf sich aufmerksam gemacht hat.

Die nun bei Princeton Architectural Press erschienene Publikation „Paul Rudolph – The Florida Houses“ beleuchtet vor allem das Frühwerk Rudolphs. Der junge Rudolph, der sich nach seinem Studium bei Gropius und Breuer nach dem Ende des zweiten Weltkrieges in Sarasota, Florida niederließ, schuf dort faszinierende offene, leichte Bauten, die später als Sarasota School of Architecture in die Baugeschichte Amerikas eingehen sollten.

Parallel zu John Entenza’s exzessiv publizierten Programm der Case Study Houses in Kalifornien entstehen auch in Florida meist eingeschossige Bungalowbauten mit sauber und klar komponierten Volumen und weit kragenden, scheinbar schwerelosen Dachscheiben.  Die Holz- und Stahlrahmen­konstruktionen schaffen offene, fließende Raumsequenzen, deren sorgfältig komponierten Innen– und Außenräume harmonisch mit der Landschaft verschmelzen. Dabei reagieren die oft aus vorfabrizierten Industriematerialien erstellten einfachen und doch großzügigen Gebäude präzise auf das auf das subtropische Klima West Floridas und verkörpern die neue Leichtigkeit der jungen mondänen Amerikas.

Eine Leichtigkeit, die, wie Alastair Gordon im Wall Street Journal bemerkt, die sonnige Kehrseite der waghalsigen Politik des Kalten Krieges darstellt, in ihrer Schwerelosigkeit das genaue Gegenteil der Luftschutzbunker, die in den paranoiden amerikanischen Vorstädten zeitgleich entstehen.

Das Buch stellt über 60 Bauten von 1941 bis 1962 vor und besticht vor allem durch die Wiedergabe der wunderbar präzisen und ausdrucksstarken Perspektiv­zeichnungen Paul Rudolphs. Die kontraststarken Tuschedarstellungen bezeugen Paul Rudolph als genialen Zeichner, der es meisterlich verstanden hat, die Essenz seiner Entwürfe mit einfachsten Mitteln zu visualisieren.

Die Projekte werden durch kurze Texte und Grundrisse vorgestellt und durch schwarz-weiß Original-Aufnahmen von Ezra Stoller ergänzt. Stoller, mit Julius Shulman wohl der profilierteste Architekturfotograf des 20. Jahrhunderts und als visueller Chronist der amerikanischen Moderne maßgeblich für deren internationalen Verbreitung verantwortlich, fängt in seinen Bildern souverän die unbeschwerten zeitlosen Moderne und Leichtigkeit der Räume Rudolphs und Wärme Floridas ein.

Eine natürlich theoretische und trügerische Zeitlosigkeit, denn gleichzeitig bleibt einem der Anblick dessen erspart, was die  meisten der Gebäude (ähnlich wie auch bei den case study houses) in den letzten 50 Jahren an schmerzhaften Veränderungen erfahren mussten. Und das ist wahrscheinlich sogar besser so. (Martin Glass)
Autor(en): Christopher Domin, Joseph King |
Erschienen: Princeton Architectural Press, 2005
Eingetragen am: 13.01.2010



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